Soziographie

Privatisierung als Gottesdienst. Eine soziographische Fallstudie

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Mitleid mit Kranken ohne Hilfemöglichkeit macht krank

26 Privatisierung Agaplesion.jpg GARD: Senioren-Transport in höchster Qualität (wie man sieht)ThumbnailsEimsbütteler Zustände (verstehen was hier passiert)GARD: Senioren-Transport in höchster Qualität (wie man sieht)ThumbnailsEimsbütteler Zustände (verstehen was hier passiert)GARD: Senioren-Transport in höchster Qualität (wie man sieht)ThumbnailsEimsbütteler Zustände (verstehen was hier passiert)GARD: Senioren-Transport in höchster Qualität (wie man sieht)ThumbnailsEimsbütteler Zustände (verstehen was hier passiert)GARD: Senioren-Transport in höchster Qualität (wie man sieht)ThumbnailsEimsbütteler Zustände (verstehen was hier passiert)GARD: Senioren-Transport in höchster Qualität (wie man sieht)ThumbnailsEimsbütteler Zustände (verstehen was hier passiert)GARD: Senioren-Transport in höchster Qualität (wie man sieht)ThumbnailsEimsbütteler Zustände (verstehen was hier passiert)

Das Foto zeigt

einen GARD-Patientenbus in der Garagen-Einfahrt eines Mietshauses in der Wohnstraße Hohe Weide. Zwischen diesem Haus und den Agaplesion-Gebäude liegen noch weitere Wohnhäuser.

Der Agaplesion-Klinik-Betrieb greift auf die gesamte Wohnstrasse über.

20 bis 25 dieser Busse bringen morgens Tagesklinik-Patienten aus Altenheimen und Wohnungen zu Agaplesion. Am späten Nachmittag fahren 20-25 dieser Busse gleichzetig vor, um die Tagesklinik-Patienten (die in dieser "Tagesklinik" ihr Mittagessen bekommen und etwas beschäftigt werden) wieder abzuholen.

Da die alten Leute nicht gleich startbereit sind, parken die Busse wild in der ganzen Gegend - mitten auf der Straße und in den umliegenden privaten Einfahrten.

Die Fahrer halten sich während der Wartezeit in der Tagesklinik auf oder rauchen davor Zigaretten oder gehen zum nächsten Supermarkt.

Verantwortlich für diese Übergriffe ist die Geschäftsleitung des Agaplesion- "Diakonieklinikums" (Jörn Wessel, Maria Theis). Sie wird von der Bezirkspolitik und Bezirksverwaltung gedeckt, die hier eigentlich eingreifen müsste.

Bei Agaplesion-Hamburg gibt es keine baulichen und organisatorischen Voraussetzungen für das Tagesklinik-Geschäft. Es gibt weder eigenen Parkraum noch einen Patientenhof.

Die alten Leute können die "Tagesklinik" praktisch nicht verlassen, befinden sich also den ganzen Tag über in geschossenen Räumen.

Dieser Agaplesion-Geschäftszweig hätte weder von den Kassen noch von den Behörden erlaubt werden dürfen!.

Aus purer Profitgier betreibt Agaplesion diese "Tagesklinik" sogar in der einen Hälfte eines Baus, dessen andere gerade abgerissen wird. Die Leidtragenden sind die alten Leute, die Bewohner der Hohen Weide und die Passanten. Auch das Agaplesion-Personal sowie die GARD-Fahrer sind nicht begeistert, wagen es aber wegen ihrer subalternen Position nicht sich dazu zu äußern.


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Was ist Mitleid ?

Der Anblick eines Kranken flößt Mitleid ein. Dieses Mitgefühl ist vor allem dann belastend, wenn man nicht helfen kann.

Im Fall Agaplesion werden normale Mieter, die mit den Kranken nichts zu tun haben, mit Kranken konfrontiert. Sie sind dabei in einer anderen Situation als das medizinische Personal, das beruflich mit Kranken konfrontiert ist.

Es ist bekannt, dass auch Ärzte und Pflegepersonal durch die ständige Konfrontation mit Krankheit und Leiden psychisch belastet sind. Das Personal hat während seiner Ausbildung gelernt, damit umzugehen und hat auch die Möglichkeit betriebsintern über Schwierigkeiten zu sprechen. Nicht wenige halten das trotzdem nicht aus, weshalb es gerade im Pflegebereich eine große Fluktuation gibt.

Für die Mieter und Passanten in der Wohnstraße Hohe Weide stellt sich diese Belastung anders dar: Sie werden mit einer Lage konfrontiert auf die sie keinen Einfluss haben. Sie werden unfreiwillig zum Teil eines Krankenhausbetriebes.

Bei ihnen wird täglich ein Impuls zum Helfen aktiviert, dem sie aber nicht nachgehen können. Sie haben Mitleid mit den gedemütigten alten Leuten, aber diesem Mitleid entspricht keine Handlungsmöglichkeit. Sie sind wütend über diesen Eingriff in ihre Wohnsituation und ihr seelisches Gleichgewicht und müssen sich zugleich vornehmen, diese Wut nicht gegen die hilflosen Alten zu wenden, die da über die Straße geschoben werden.

Man weiß, dass der Agaplesion-Konzern für diese Zustände verantwortlich ist. Da aber auch Beschwerden bei den zuständigen Behörden folgenlos bleiben, bleibt am Ende nur das WEGSCHAUEN, also genau das was man eigentlich nicht will.



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Psychologie des Mitleids

→ Mitleiden ist Anteilnahme mit/an einem Leidenden, ohne dass man selbst vom Leid direkt betroffen ist. Mitleid wird als die Voraussetzung für menschliches Handeln empfunden.

→ Schmerz und Leid des Betroffenen werden als potentiell eigenes Leid empfunden. Physiologisch ist eine ähnliche Reaktion gemeint, wie bei eigenem Leiden an den selben Schmerzen oder Missständen.

Mitleid, ohne die zumindest subjektiv gefühlte Chance, helfen zu können, wird als quälend und belastend empfunden.

Dauert dieser Zustand an, so führt er entweder zur Abstumpfung beim Anblick des Leids oder zum Hass auf diesen Anblick, eben weil er uns so hilflos macht.

→ Viele Menschen scheuen den Krankenbesuch eben aus diesem Grunde. Sie wissen nicht, wie man die entstehenden inneren Spannungen, die das Mitleid in uns erzeugt, umsetzen kann in tätige Hilfe.