Soziographie

Privatisierung als Gottesdienst. Eine soziographische Fallstudie

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Der Eimsbütteler Pflegeskandal (alle können ihn sehen, niemand schreitet ein)

22 Tagesklinik Agaplesion.jpg "Barmherzigkeit mit beschränkter Haftung"ThumbnailsEndstation geriatrische Tagesklinik"Barmherzigkeit mit beschränkter Haftung"ThumbnailsEndstation geriatrische Tagesklinik"Barmherzigkeit mit beschränkter Haftung"ThumbnailsEndstation geriatrische Tagesklinik"Barmherzigkeit mit beschränkter Haftung"ThumbnailsEndstation geriatrische Tagesklinik"Barmherzigkeit mit beschränkter Haftung"ThumbnailsEndstation geriatrische Tagesklinik"Barmherzigkeit mit beschränkter Haftung"ThumbnailsEndstation geriatrische Tagesklinik"Barmherzigkeit mit beschränkter Haftung"ThumbnailsEndstation geriatrische Tagesklinik

Über Pflegeskandale wird ständig berichtet.

Allein im August 2015 gab es wieder zahlreiche Presseberichte: "Polizei in Münchner Altenheim", "Pflege-Skandal auf Demenzstation", "Fachkräftemangel als Ursache für den Tod von zwei Senioren".

In Eimsbüttel ist ein solcher Skandal täglich zu besichtigen, aber obwohl darüber schon in den Medien berichtet wurde, schreitet keine Behörde ein.

Über ein Pflegeheim der Holding "Alten Eichen", die am Agaplesion-Klinikum beteiligt ist, gab es 2010 sogar eine ARD-Panorama-Sendung. (siehe den Bericht Undercover im Luxus-Altenheim dazu).

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Pflegeskandale kommen in Altenheimen und geriatrischen Tageskliniken gleichermaßen vor. Pflegeskandal ist ein Schlagwort, das für die Vernachlässigung, Misshandlung oder die wiederholte Verletzung der Berufspflichten von Pflegepersonal und deren administrativer Leitung (PDL) gegenüber Patienten und pflegebedürftigen Personen in (Tages-) Kliniken, Altenheimen bzw. von Kunden in der ambulanten Pflege benutzt wird.

Besonders Senioren fallen derartigen Missständen leicht zum Opfer, da sie in einem besonders ausgeprägten Abhängigkeitsverhältnis stehen.

Wenn sie auf sich allein gestellt sind und keine Angehörige für sie aktiv werden, könnten Vernachlässigung oder gar Straftaten ihnen gegenüber unentdeckt bleiben.

An Demenz erkrankte Personen, die seit dem Jahr 2000 über 60 Prozent der Bewohnerschaft von Pflegeheimen ausmachen, stehen einem eventuellen Fehlverhalten der pflegenden Institution und des Personals besonders hilflos gegenüber.

Aufsicht

Der „Medizinische Dienst der Krankenversicherungen“ legt bei hilfsbedürftigen Älteren die Pflegestufe fest und prüft zudem die Qualität von Heimen und Tageskliniken.

Werden dabei erhebliche Missstände festgestellt und deren Abhilfe vom Heimbetreiber verlangt, erfährt die Öffentlichkeit oder Angehörige von dort gepflegten Personen zunächst gar nichts davon.

Erst mit der Einführung der Transparenzberichte und der damit einhergehenden Benotung nach dem „Schulnotenprinzip“ wurden diese Feststellungen der Öffentlichkeit zumindest teilweise zugänglich.

Immer noch sind die meisten regulären Besuche vom Medizinischen Dienst und Heimaufsicht angekündigte Begehungen von Stationen, auf denen oft tagelang vom Personal in zusätzlichen Überstunden „klar Schiff“ gemacht wird (in 72 bis 87 Prozent). Dokumentationen können ergänzt, Speisenvorräte auf Hygienemängel überprüft, Medikamentenschränke und Rezepte miteinander abgeglichen werden.

Pflegemitarbeiter, die sich bei Missständen an diese Aufsicht wenden, müssen nicht nur mit dem Verlust ihres jetzigen Arbeitsplatzes rechnen, sondern Angst haben, als „schwarze Schafe“ keine neue Beschäftigung zu finden.

Konzerne wie Agaplesion gehen mit juristischen Drohungen gegen Kritiker vor, die die Zustände in Wort und Bild dokumentieren.