Soziographie

Privatisierung als Gottesdienst. Eine soziographische Fallstudie

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Bauen im Bestand: Beginn des Abrisses gegenüber dem Eingangsbereich

058 Elim Abriss 2012 NEU.jpg Maria TheisThumbnailsgeriatrische TagesklinikMaria TheisThumbnailsgeriatrische TagesklinikMaria TheisThumbnailsgeriatrische TagesklinikMaria TheisThumbnailsgeriatrische TagesklinikMaria TheisThumbnailsgeriatrische TagesklinikMaria TheisThumbnailsgeriatrische TagesklinikMaria TheisThumbnailsgeriatrische Tagesklinik

■ Als Agaplesion AG und Beust-Senat 2002 mit der Forderung konfrontiert wurden, ihr „Diakonieklinikum“ , das sie keinesfalls auf dem DKH-Grundstück in Alten Eichen errichten wollten, dann doch eben auf dem Elim-Gelände zu bauen statt auf der öffentlichen Erholungsfläche nebenan, mussten sie sich einige Ausreden einfallen lassen, damit die eigene Expansionsstrategie – man wollte den öffentlichen Raum UND das Elim - nicht gleich so offensichtlich wird. Eine dieser Ausreden war, dass ein Bauen im Bestand den Patienten nicht zuzumuten wäre.

■ Das war natürlich ziemlich fadenscheinig, denn der Um- und Neubau bei laufendem Betrieb gehört gerade bei Kliniken zur Normalität, weil diese ständig den veränderten Anforderungen angepasst werden müssen. Auf Bauarbeiten, die den laufenden Krankenhausbetrieb so wenig wie möglich beinträchtigen, ist eine ganze Branche spezialisiert und es gibt entsprechend eine große Menge von Fachliteratur dazu.


■ Dass auch die Agaplesion AG damit kein Problem hat, zeigt gerade der mehrstufige Abriss des Elim. Dieser und die danach folgende jahrelange Bautätigkeit finden nicht nur direkt vor dem eigenen Haupteingang statt:

→ Kurz vor dem Abriss des hinteren Elim-Teils hat man die linke Hälfte des Vordergebäudes noch aufwendig renoviert und dort Teile des Klinikbetriebes und der Bethanien-Geriatrie untergebracht.

→ Die Abriss- und Hochbauarbeiten werden also genau zwischen dem Neubau und dem Rest des Elims stattfinden.

Der Geschäftsverkehr zwischen diesen beiden Klinikteilen wird schon jetzt komplett über den öffentlichen Bürgersteig abgewickelt: Personal läuft hin und her, die Leute vom geoutsourcten Service schieben Wäsche und Lebensmittel über den Gehweg und GARD die Patienten im Rollstuhl hinterher. Da der Bürgersteig jetzt zugleich die Baustellendurchfahrt ist, wird es zu vielen weiteren krassen Szenen kommen.

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Man KANN also bei laufendem Betrieb um- und neu bauen.

So wie man jetzt das Elim in zwei Teile zerschneidet, um dann auch den als „Ärztehaus“ bezeichneten Klinik-Anbau in zwei Teilen zu bauen, hätte man auch das ganze Klinikum schrittweise auf dem Elim-Gelände bauen können, das 800 Quadratmeter größer ist der Grundriss des Neubaus auf dem öffentlichen Platz.

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Die Gründe, warum das nicht geschah, haben wir bereits 2002 beim Namen genannt und später in dem Satz „Die Agaplesion AG will alles!“ zusammengefasst.

Am Ende wird dort laut Realisierungswettbewerb (S.11) ein Riegel mit einer Gesamtlänge von 260 Metern stehen!

Parallel zur Wohnbebauung verlaufend, wird dieser Riegel , der vor allem am Abend jetzt schon wie ein riesiges Parkhaus wirkt, dann zwei Drittel der gesamten Straßenlänge beanspruchen.

Die Vorderfront dieser Agaplesion-Filiale wird damit nur 10 Meter kürzer sein als der Berliner Neubau des Bundesnachrichtendienstes in Berlin-Mitte, der wegen seiner Ausmaße allgemein als extremer Koloss bezeichnet wird.

Allerdings steht diese Geheimdienstburg im Gegensatz zur Agaplesion-Klinik nicht in einer Straße, die ohne Bürgersteige nur eine Breite von 5,50 Metern hat. Und der BND erhebt auch nicht den Anspruch eine Einrichtung zu sein, die etwas mit Gesundheit zu tun hat.

Der Vergleich illustriert die besondere Rücksichtslosigkeit dieses „Gesundheitskonzerns“ gegenüber den Bedingungen gesunder Lebens- und Wohnverhältnisse.


Hier wird gnadenlos für den Profit des eigenen Konzerns ein ganzes Wohngebiet ruiniert. Schon wird der 160 Meter lange erste Bauteil als absolut erdrückend wahrgenommen.

Der Mieterbund MHM hat die Folgen für die unmittelbar betroffene Wohnbevölkerung in seiner Mitgliederzeitschrift thematisiert und Hausärzte registrieren bereits in der Umgebung eine Zunahme körperlicher und psychischer Krankheiten.

Verschärft wird diese Situation durch eine offensive und aggressive Rücksichtslosigkeit der Betreiber in allen Details.

Auf Nachfragen der Lokalpresse erklärt man unumwunden, dass man auch auf Forderungen zum Rückzug aus dem öffentlichen Straßenraum nicht eingehen wird.

Agaplesion kann so frech auftreten, weil die Allparteien-Koalition und die Behörden, die diesen Bau letztlich durchgesetzt haben, alle Übergriffe decken müssen, weil sie sonst die eigene Praxis der letzten Jahre in Frage stellen müssten.

Da offenbar niemand der Agaplesion-Klinik GmbH etwas anhaben kann, werden deren Verhaltensweisen immer maßloser.

Das zeigen die folgenden Fotos vom Elim-Abriss.