Soziographie

Privatisierung als Gottesdienst. Eine soziographische Fallstudie

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Die Beseitigung des Elim-Krankenhaus-Gartens

044 Krankenhausgarten Agaplesion.jpg Die Beseitigung des Elim-Krankenhaus-GartensThumbnailsKein Krankenhausgarten im Agaplesion DiakonieklinikumDie Beseitigung des Elim-Krankenhaus-GartensThumbnailsKein Krankenhausgarten im Agaplesion DiakonieklinikumDie Beseitigung des Elim-Krankenhaus-GartensThumbnailsKein Krankenhausgarten im Agaplesion DiakonieklinikumDie Beseitigung des Elim-Krankenhaus-GartensThumbnailsKein Krankenhausgarten im Agaplesion DiakonieklinikumDie Beseitigung des Elim-Krankenhaus-GartensThumbnailsKein Krankenhausgarten im Agaplesion DiakonieklinikumDie Beseitigung des Elim-Krankenhaus-GartensThumbnailsKein Krankenhausgarten im Agaplesion DiakonieklinikumDie Beseitigung des Elim-Krankenhaus-GartensThumbnailsKein Krankenhausgarten im Agaplesion Diakonieklinikum

Die Privatisierung und Bebauung des ehemaligen Sparbierplatzes im dicht bebauten Eimsbütteler Kerngebiet ist schon schlimm genug. Noch schlimmer wurde alles durch die ersatzlose Beseitigung des Elim-Krankenhaus-Gartens. Der Klinikbetrieb drängt dadurch ins Wohngebiet. Die Menschen dort, denen die Erholungsfläche jetzt fehlt, werden zusätzlich vom Agaplesion-Geschäftsbetrieb bedrängt.

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KMA-Online, 18.10.2012

Der Klinikgarten als Genesungshilfe

Ein gut geplanter Klinikgarten beschleunigt erwiesenermaßen den Gesundungsprozess und entspannt gestresste Patienten. Dennoch ist er vielen Krankenhausbetreibern zu teuer. Dabei ist er auch als Image- und Marketingfaktor nicht zu unterschätzen.

Aus der Vogelperspektive vermittelt das Krankenhaus Bad Soden den Eindruck, eher eine Kureinrichtung als ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung zu sein.

Ein breiter, von kleinen Bäumen und einem Terrassengarten eingerahmter Weg aus unterschiedlichen Bodenbelägen, der durch einen Heckenstreifen aufgelockert wird, empfängt den Besucher mit Rosenbeeten. Die stilvoll auf drei unterschiedlichen Niveaus angelegten Terrassen bestehen zur Hälfte aus Rasenflächen mit blühenden Solitärsträuchern, auf denen Parkbänke zum Verweilen einladen. Auch die Freianlage rund um das Krankenhaus bietet viele solcher von Grünflächen mit unterschiedlichem Bewuchs eingerahmter Ruhe-Inseln.

Die Gartenanlagen des Thüringer Kreiskrankenhauses in Greiz zeigen, wie sich technische Funktionen und Gartenfläche geschickt miteinander verbinden lassen. Dort wurde aus der Not eine Tugend gemacht und ein Rückhaltebecken für Regenwasser zu einem Teich umgestaltet, der Patienten und Besucher gleichermaßen anzieht.

Gerade die nahen Flächen an den Ausgängen und am Haupteingang werden sehr intensiv von den Leuten wahrgenommen.

Da die bettlägrigen Patienten die Natur nur aus dem Fenster betrachten können, haben die Planer auch die Innenhöfe mit Gärten versehen. Dort liegt ein kleiner Bachlauf inmitten einer angedeuteten Waldlichtung, der auf die Genesenden eine ablenkungstherapeutische Wirkung ausüben soll.

Die Krankenhäuser der Region Hannover bieten ihren Patienten sogar eigens errichtete Gesundheitsgärten, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind.

Im Klinikum Neustadt am Rübenberge mit den Schwerpunkten Orthopädie und Physiotherapie heißt das vor allem Bewegung. Schultertrainer und Wackelbrücke sind eingebettet in den Therapiegarten. Er besteht aus verschiedenen Bodenbelägen wie Kopfsteinpflaster, Holz, Sand oder Kies. Hier können die Patienten die Welt wieder mit den Füßen wahrnehmen.

Was ein ansprechender Klinikgarten leisten kann, zeigt eine Studie des US-amerikanischen Umweltpsychologen Roger S. Ulrich aus dem Jahr 1981.

Sie belegt, dass der Kontakt mit einer natürlichen Umgebung erstaunlich schnell Stressgefühle reduziert und Widerstandskräfte aufbaut.

Das zeige sich konkret durch reduzierte Mengen starker Schmerzmittel und verkürzte Aufenthaltsdauer. Die Erkenntnis steht laut Andreas Niepel, Präsident der internationalen Gesellschaft für Gartentherapie (IGGT), Autor des Buches "Garten und Therapie" und leitender Gärtner der Helios Klinik Holthausen, im krassen Gegensatz zu der Auffassung über Klinikgärten aus den 1970er Jahren: "Damals waren Krankenhäusern eher als Gesundheitsmaschinen gedacht, die Natur hatte dort überhaupt keinen Platz."

Heute entdecken auch deutsche Klinikleitungen den psychologischen Mehrwert der Gärten. Ein Klinikaufenthalt bedeute laut Niepel für Patienten einen erheblichen Angriff auf ihr natürliches Grundbedürfnis nach Kontrolle, Orientierung und Sicherheit. Man ist sozusagen der Diagnose ausgeliefert, wird durch den Klinikalltag fremdbestimmt und so wird das Unbehagen gefördert.

Generell raten Landschaftsarchitekten Krankenhausbetreibern dazu, sich mit Fachleuten auseinanderzusetzen, um den Patientenwünschen gerecht zu werden.

Schließlich birgt ein schöner Garten auch als Werbefaktor großes Potenzial, denn er gehört zu dem ersten Eindruck, den man von einem Krankenhaus bekommt.

Oft entscheidet er deshalb auch darüber, ob jemand, der die Wahl hat, hier Patient werden will.