Soziographie

Privatisierung als Gottesdienst. Eine soziographische Fallstudie

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1953 Nächstenliebe auf Krankenschein

009 Naechstenliebe.jpg 1949: Ende der EntnazifizierungThumbnails1955 feiern die Elim-Nazis den "Wiederaufbau"1949: Ende der EntnazifizierungThumbnails1955 feiern die Elim-Nazis den "Wiederaufbau"1949: Ende der EntnazifizierungThumbnails1955 feiern die Elim-Nazis den "Wiederaufbau"1949: Ende der EntnazifizierungThumbnails1955 feiern die Elim-Nazis den "Wiederaufbau"1949: Ende der EntnazifizierungThumbnails1955 feiern die Elim-Nazis den "Wiederaufbau"1949: Ende der EntnazifizierungThumbnails1955 feiern die Elim-Nazis den "Wiederaufbau"1949: Ende der EntnazifizierungThumbnails1955 feiern die Elim-Nazis den "Wiederaufbau"

Die Überschrift dieses Abendblatt-Artikels ist pure Ideologie: /

Auch in den 1950er Jahren gab es schon Krankenversicherungen, die den Kliniken die Kosten einer medizinischen Behandlung inklusive Personalkosten und Anschaffungskosten für medizinisches Gerät erstatteten. Aus Nächstenliebe wurde auch im Elim niemand behandelt.

Wenn diejenigen, die im Krankheitsfall eine medizinische Behandlung benötigen oder im Fall der Erwerbslosigkeit eine finanzielle Unterstützung von der Bereitschaft von selbsternannten „Helfern“ abhängig wären, die aus Altruismus, einem Gefühl der Sympathie oder wegen einer bestimmten Gesinnung irgend etwas tun wollen, dann würden sie sich in einer extrem unwürdigen Situation befinden.

Es sind eben zivilisatorische Errungenschaften, dass die Einzelnen einen Rechtsanspruch auf medizinische Behandlung und Arbeitslosengeld haben. Es ist eine politische und gesellschaftliche Aufgabe, beides zu verbessern.

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Die Semantik der Nächstenliebe ist die nichts anderes als die Drohung mit der Rückkehr zur christlichen Armenfürsorge und zur christlichen Suppenküche, wo man vom Empfänger der „milden Gabe“ Schicksalsergebenheit, Untertänigkeit und Gottesfurcht erwartet.

Für Sigmund Freud war Nächstenliebe nicht anderes als eine „Inflation der Liebe“, die „deren Wert herabsetzt“, aber „nicht die Not beseitig.

Max Weber kritisierte den christlichen Diskus der Nächstenliebe als Gesinnungsethik von Leuten, die keine Verantwortung für die Folgen ihres Handelns übernehmen wollen. Denn der der paternalistische Anspruch, man handele ganz und gar selbstlos, ignoriert nach Weber absichtsvoll "das Ganze der Wirklichkeit", also die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen die einen hilfsbedürftig sind, während die anderen die Mittel haben, um sich als „Helfer“ inszenieren zu können.

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Diese Helfer wollen diese Bedingungen aufrechterhalten, um ihrem Geschäft nachgehen und ihre paternalistische Rolle spielen zu können. Nicht nur die Zeit des Nationalsozialismus hat gezeigt, dass diese „christliche Nächstenliebe“ gesellschaftlich ausgegrenzten Gruppen jederzeit auch komplett entzogen und in offene Feindseligkeit umschlagen kann.