Soziographie

Privatisierung als Gottesdienst. Eine soziographische Fallstudie

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002b.jpg Privatisierung als GottesdienstThumbnailsÖffentlicher Raum in Eimsbüttel 1908 bis 1945Privatisierung als GottesdienstThumbnailsÖffentlicher Raum in Eimsbüttel 1908 bis 1945Privatisierung als GottesdienstThumbnailsÖffentlicher Raum in Eimsbüttel 1908 bis 1945Privatisierung als GottesdienstThumbnailsÖffentlicher Raum in Eimsbüttel 1908 bis 1945Privatisierung als GottesdienstThumbnailsÖffentlicher Raum in Eimsbüttel 1908 bis 1945Privatisierung als GottesdienstThumbnailsÖffentlicher Raum in Eimsbüttel 1908 bis 1945Privatisierung als GottesdienstThumbnailsÖffentlicher Raum in Eimsbüttel 1908 bis 1945

PRIVATISIERUNG ALS GOTTESDIENST

Im Jahr 1908 entstand an der Straße Hohe Weide in Hamburg-Eimsbüttel eine öffentliche Sport- und Freizeitfläche. 2008 wurde sie privatisiert und mit einer Filiale der evangelikalen Klinikkette Agaplesion AG aus Frankfurter bebaut.

Gegen dieses Vorhaben gab es in Eimsbüttel einen jahrelangen und heftigen Widerstand, der die Bebauung am Ende nicht verhindern aber immerhin um mehrere Jahre verzögern konnte.

Eingeleitet wurde diese Privatisierung 2001 von der Schill-Partei/CDU-Koalition. Zugleich wurden die kommunalen Kliniken (LBK) privatisiert. Es gehörte zum rechten gesellschaftspolitischen Programm dieser Koalition, zugleich mit der Beseitigung öffentlicher Einrichtungen den Einfluss klerikaler Kräfte zu vergrößern.

Politisch unterstützt wurde der Rechts-Senat hierbei von dem Großsportverein ETV, dem der Platz nie gehörte. Dafür spendierte der Senat dem ETV Kunstrasen für 1,5 Millionen auf einer Restfläche des Platzes sowie eine Sporthalle für 5 Millionen Euro.

Die Koalition aus Schill-Partei und Beust-CDU bildete zusammen mit der evangelikalen Agaplesion AG und dem ETV mit seiner deutschvölkisch Tradition ein Bündnis der Gegenaufklärung.

Man hat nicht nur gemeinsam die letzte große kommunal-öffentliche Freifläche im dicht bebauten Kerngebiet von Hamburg-Eimsbüttel beseitigt, sondern auch eine gesellschaftspolitische Rechtswende bewirkt. Gemeinsam denunzierte und bekämpfte man die Kräfte der Aufklärung und ersetzte kommunalpolitische Handlungsmöglichkeiten durch kommerzielle "Angebote".

Aus der 2002 gegründeten Agaplesion AG ist inzwischen eine der größten Klinikketten in der BRD geworden. Diese aggressive Expansion ist auch in Hamburg noch nicht abgeschlossen.

Während in Eimsbüttel weitere Teile der Straße Hohe Weide bebaut werden und weiter versucht wird, das gesellschaftspolitische Klima nach rechts zu verschieben (u.a. durch Eröffnung eines klerikalen Kindergartens in einem überwiegend säkularen Wohngebiet), baute die Agaplesion AG unter dem Namen "Bethanien-Diakonissen-Stiftung" im benachbarten Stadtteil Eppendorf ein "Bethanienhöfe genanntes Luxusaltenheim. Dass dahinter der Frankfurter Agaplesion-Konzern steckt, wurde erst wenige Wochen vor der Eröffnung publik.

In Hamburg-Eimsbüttel wurde der Widerstand gegen die Privatisierung des öffentlichen Raumes durch Evangelikale viele Jahre von der "Initiative gegen die Bebauung des Sparbierplatzes" organisiert. Gegen diese Initiative ging der Agaplesion-Konzern mehrfach juristisch vor - mit dem Ziel die Kritiker der Privatisierung finanziell zu ruinieren. 2012 musste die Initiative alle ihre Blogs - darunter mehrere Fotoblogs bei Flickr - schließen. 2013 protestierte die Hamburger Aktivistengruppe IGDRA dagegen mit der Ausstellung "Privatisierung als Gottesdienst" im Hamburger Kunstverein. Im Zuge dieser Ausstellung begann die IGDRA damit, die Blogs der Initiative wieder zugänglich zu machen. Vor allem das weblog keindiakonieklinikumblogger.org. An dieser Stelle werden nun auch die früheren Flickr-Fotoblogs rekonstruiert und aktualisiert.